03.
Nov 2020

Wohnmobil-Dieselskandal: Das müssen betroffene Halter nun wissen

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt gab aktuell bekannt, dass in Deutschland rund 200.000 manipulierte Fiat- und Iveco-Fahrzeuge zugelassen wurden – darunter zahlreiche Wohnmobile. “Nun erreicht der Dieselskandal auch die Camping-Szene. Wohnmobil-Besitzer müssen sich auf enorme Wertverluste sowie Rückruf-Aktionen gefasst machen”, meint der Rechtsanwalt Claus Goldenstein. Er beantwortet nachfolgend alle wichtigen Fragen zum Thema. Mit seiner Kanzlei, Goldenstein & Partner, vertritt Goldenstein rund 22.000 Mandanten im Abgasskandal. Zudem ist die Kanzlei für das erste Bundesgerichtshof-Urteil im Abgasskandal verantwortlich. 

Wie wurden die Wohnmobile manipuliert? 

Die betroffenen Iveco-Wohnmobile wurden so manipuliert, dass diese die geltenden EU-Umweltrichtlinien lediglich in offiziellen Tests einhielten. Dadurch wurden die Fahrzeuge auch für den Verkauf zugelassen. Im tatsächlichen Straßenbetrieb stoßen die Wohnmobile jedoch deutlich mehr Schadstoffe aus, als es erlaubt ist. Das ist natürlich illegal. Durch die Fahrzeug-Manipulationen wird die Umwelt verschmutzt, während die Automobilkonzerne Geld für die Entwicklung sauberer Motoren einsparen und ihre Gewinne maximieren. 

In der Regel werden Abschalteinrichtungen in der Software der Motorensteuerung verbaut. So erkennt die Software offizielle Zulassungstests beispielsweise anhand der Außentemperatur oder dadurch, dass sich das Lenkrad bei der Fahrt nicht bewegt. Teilweise haben Autobauer auch die Hardware manipuliert und zum Beispiel ausschließlich die Motoren von Testfahrzeugen verändert, damit diese weniger Schadstoff ausstoßen. 

Wie genau die Abschalteinrichtungen bei Fiat und Iveco funktionieren, ist bislang noch nicht öffentlich bekannt. Wir gehen aber davon aus, dass die zuständige Staatsanwaltschaft Frankfurt bald neue Details in der Sache veröffentlichen wird. 

 

Welche Folgen hat der Dieselskandal für Wohnmobil-Halter? 

Die manipulierten Fahrzeuge könnten noch zeitnah zurückgerufen werden. Dann muss Iveco Soft– oder Hardware-Updates entwickeln, durch die die Wohnmobile endlich umweltfreundlich werden. Ähnlich wurde es bereits im Rahmen des Dieselskandals bei Herstellern wie Volkswagen, Daimler oder BMW geregelt. Im schlimmsten Fall droht betroffenen Haltern sogar die Stilllegung ihrer Wohnmobile, da diese eigentlich nicht zulassungsfähig sind. 

Definitiv werden die Fahrzeuge enorm an Wert verlieren. Das zeigt die Erfahrung aus den bisher bekannten Manipulationen bei anderen Herstellern. Bereits jetzt sind einige Wohnmobil-Besitzer durch den Dieselskandal eingeschränkt, da sie bestimmte Straßen aufgrund von Fahrverboten nicht befahren dürfen. 

 

Welche Wohnmobil-Modelle sind vom Dieselskandal betroffen? 

Bislang stehen die Iveco-Modelle Daily Hi-Matic, Daily 4×4 und Eurocargo aus den Baujahren 2014 bis 2019 unter Manipulationsverdacht. Das Fahrgestell des Iveco Eurocargo nutzen zudem auch andere Reisemobilhersteller. Dazu zählen Bimobil, Bocklet, Carthago, Concorde, Dethleffs, Dopfer, FormIT, Kerkamm, Laika, Morelo, Niesmann + Bischoff, Notin, Pilote Le Voyageur, Phoenix, Protec, Swift und Woelcke. 

Es ist darüber hinaus sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Iveco-Modelle illegale Abschalteinrichtungen enthalten. Auch die Wohnmobile von anderen Herstellern könnten zudem manipuliert worden sein. Im PKW-Dieselskandal ist mittlerweile auch längst klar, dass neben VW nahezu jeder andere Hersteller illegale Abschalteinrichtungen verbaut hat. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für den Wohnmobil-Dieselskandal denkbar. 

 

Welche Rechte haben betroffene Wohnmobil-Besitzer? 

Wer ein manipuliertes Wohnmobil besitzt, kann Schadensersatz durchzusetzen. Im Mai dieses Jahres haben wir von Goldenstein & Partner das erste Dieselskandal-Urteil vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Deutschland durchgesetzt. Seitdem ist klar, dass betroffene Verbraucher ihre illegal manipulierten Fahrzeuge an den jeweiligen Hersteller zurückgeben können. Im Gegenzug erhalten die Fahrzeughalter eine hohe Entschädigung, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Das BGH-Urteil dient als Entscheidungsgrundlage für sämtliche deutsche Amts-, Landes- und Oberlandesgerichte in Deutschland. 

Alternativ besteht zudem die Möglichkeit, das manipulierte Fahrzeug zu behalten und einen Teil der Kaufsumme als finanzielle Entschädigung geltend zu machen. Das soll die Wertminderung aufgrund des Dieselskandals ausgleichen. Im Schnitt erhalten betroffene Fahrzeughalter auf diesem Weg etwa 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises.  

In jedem Fall sollten sich Wohnmobil-Besitzer juristisch von einem Anwalt beraten lassen. Es reicht nicht aus, eine Anzeige zu erstatten, um die eigenen Rechte im Dieselskandal durchzusetzen und Schadensersatz zu erhalten. Wir von Goldenstein & Partner stehen Wohnmobil-Besitzern gern kostenfrei für eine unverbindliche Rechtsberatung zur Verfügung. 

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