24.
Mrz 2020

Wie drei Studenten den größten Skandal der Automobilgeschichte aufdeckten

Am 18. September 2015 informierte die amerikanische Umwelt-Bundesbehörde EPA die Welt über die Abgas-Manipulationen von Volkswagen. Was folgte, ist wohl der bisher größte Skandal in der Geschichte der Automobil-Industrie, der den Konzern etliche Milliarden Euro kostete und seinen ambitionierten Weg an die Spitze der Kfz-Produzenten von heute auf morgen unterbrach. Dass VW-Besitzer nun nicht mehr unwissend überhöhte Mengen an Stickoxiden in die Umwelt pusten und im besten Fall für ihr Fahrzeug bereits eine Entschädigung von Volkswagen erwirkt haben, verdanken sie den drei Studenten Arvind, Hemanth und Marc von der West Virginia University in den USA.

Die folgenreiche Ausschreibung

Im Jahr 2012 forschten die drei angehenden Ingenieure am Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions (CAFEE) der West Virginia University und untersuchten vornehmlich die Abgaswerte von Lkws. Als die Studenten im November 2012 eine Ausschreibung vom International Council of Clean Transportation (ICCT) erreichte, änderte sich dies jedoch. Die amerikanische Non-Profit-Organisation gibt wissenschaftliche Analysen in Auftrag, die im Nachgang beispielsweise den US-Umweltaufsichtsbehörden zur Verfügung gestellt werden. Das unabhängige Institut suchte in seiner Ausschreibung nach Testern, welche die sogenannte Clean-Diesel-Technologie deutscher Autohersteller unter die wissenschaftliche Lupe nahmen. Dafür muss man wissen, dass die deutschen Autokonzerne allen voran VW in den Staaten zu dieser Zeit aggressiv mit ihren sauberen Dieselfahrzeugen warben und ihre Wagen als ebenso umweltfreundlich wie beispielsweise einen Toyota Prius verkauften – nur eben mit höherer Leistung. Die Werbekampagnen resultierten nicht nur in starken Verkaufszahlen, sondern stießen ebenfalls auf große Skepsis in Expertenkreisen, welche die technologische Machbarkeit in Frage stellten. Das ICCT forderte daher eine zusätzliche, unabhängige Überprüfung von Diesel-Fahrzeugen an, obwohl jedes neu entwickelte Modell offiziell auf Herz und Nieren getestet wird. Arvind, Hemanth und Marc bewarben sich auf die Ausschreibung und erhielten den Zuschlag inklusive entsprechendem Budget.

Mobiles Testgerät wird VW zum Verhängnis

Die drei Studenten untersuchten in ihrer Testreihe mehr oder weniger zufällig einen VW Jetta sowie einen Passat. Ein Mercedes sollte ebenfalls getestet werden. Das scheiterte jedoch an der Beschaffung eines Fahrzeuges, da die Fahrzeuge extra geliehen werden mussten. Auf dem normalen Prüfstand in einer Testhalle konnten die Hochschüler keine Grenzüberschreitungen der Diesel-Autos feststellen. Wie wir heute wissen, wurde das durch die Abschalteinrichtung ermöglicht, welche aktiviert wird, wenn sich die Reifen bewegen und das Lenkrad stillsteht. Den Studenten stand jedoch auch ein branchenunübliches, mobiles Testgerät zur Verfügung. Bei Testfahrten mit diesen Abgasmessgeräten überschritten die beiden Fahrzeuge die Grenzwerte um bis das 35-fache. Erst nach etlichen Durchgängen verfassten die Studenten eine Studie zu ihren Erkenntnissen und hielten ihre Ergebnisse auf über 100, für VW verhängnisvolle Seiten unter dem Titel “In-Use Emissions Testing of Light-Duty Diesel Vehicles in the United States” fest. Bekanntheit erreichten die Ergebnisse im März 2014, als sie auf einem Kongress vorgestellt wurden, was letztlich zur offiziellen Bekanntmachung der EPA im Jahr 2015 führte. Seither verklagen Millionen getäuschte Autofahrer auf der ganzen Welt die Konzerne auf Schadensersatz.

Claus Goldenstein, Inhaber der Kanzlei Goldenstein & Partner, kommentiert:
Mit dem Einsatz der Manipulationssoftware haben die deutschen Autokonzerne Millionen von Fahrzeughaltern betrogen. Bei Goldenstein & Partner ziehen wir sie dafür jedoch zur Rechenschaft und verklagen sie für bereits über 17.800 Mandanten auf Schadensersatz. Am 05. Mai 2020 führen wir zudem den bundesweit ersten Fall vor dem deutschen Bundesgerichtshof in dieser Sache, der mit ziemlicher Sicherheit verbraucherfreundlich entschieden wird. Nachdem wir dieses Wegweisende Urteil erwirkt haben, werden wir noch deutlich leichter deutlich höhere  Entschädigungen gegen den Konzern durchsetzen können.” 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiterzunutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. Auf www.goldenstein-partner.de können Autobesitzer ihren möglichen Anspruch kostenfrei prüfen lassen.

So setzen sich die Entschädigungen zusammen

In Deutschland setzt sich die jeweilige Entschädigungssumme im Abgasskandal aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer Nutzungsentschädigung zusammen. Letztere ist abhängig von der individuellen Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges. Teilweise werden den betroffenen Fahrzeughaltern zudem Deliktzinsen zugesprochen. In diese Richtung hat sich bislang unter anderem das Oberlandesgericht Köln ausgesprochen.