29.
Jul 2020

Was ist eigentlich eine Abschalteinrichtung?

Auch fünf Jahre nach dem Bekanntwerden des VW-Dieselskandals ist das Thema brandaktuell. Mittlerweile stehen sogar nahezu alle Hersteller von Diesel-Fahrzeugen im Verdacht, ihre Fahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen manipuliert zu haben. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Begrifflichkeit? 

 

So funktioniert eine Abschalteinrichtung 

Die im Rahmen des Dieselskandals verbauten Abschalteinrichtung dienen dazu, dass der Schadstoffausstoß eines Fahrzeuges auf dem Prüfstand die vorgeschriebenen Umweltrichtlinien erfüllt, obwohl dies im tatsächlichen Straßengebrauch nicht der Fall ist. Dieses Vorgehen wude jedoch von den verantwortlichen Autohersteller verheimlicht. In Der Folge wurden zahlreiche PKW auf der ganzen Welt zugelassen, obwohl ihr Stickoxid-Ausstoß die vorgegebenen Grenzwerte eigentlich massiv überschritt. 

 

So verlief der Dieselskandal bei Volkswagen 

Die erste Abschalteinrichtung wurde 2014 in den USA entdeckt. Dort bewarb Volkswagen seine neuen Dieselfahrzeuge in zahlreichen Werbeclips als sogenannte Clean Diesel. Offizielle Tests bestätigten die Sauberkeit der neuen Volkswagen-Modelle und zahlreiche US-Amerikaner kauften sich die PKW. Unabhängige Tests an der West Virginia University legten jedoch nahe, dass die VW-Diesel-Fahrzeuge deutlich mehr Schadstoffe ausstießen, als zunächst angenommen wurde. 

Tatsächlich hatte Volkswagen den Schadstoffausstoß der eigenen PKW mittels einer Software in der Motorensteuerung manipuliert. Diese war unter dem Namen Akustikfunktion im System getarnt, hatte jedoch überhaupt nichts mit hörbarem Schall zu tun. Stattdessen erkannte die Software, wenn sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befand, weil das Lenkrad währenddessen stillstand. In diesem Fall  wurde der Schadstoffausstoß massiv reduziert.  

 

Millionen Rückrufe bei VW 

Im tatsächlichen Straßenbetrieb, wenn das Lenkrad verwendet wurde,  war der Schadstoffausstoß hingegen deutlich höher. Nachdem der Skandal Ende 2015 öffentlich wurde, musste VW weltweit mehr als elf Millionen Fahrzeuge zurückrufen und mit einem neuen Software-Update ausstatten. Allein in Deutschland waren rund 2,5 Millionen Fahrzeuge davon betroffen.  

Zwar wurde auch dieses Software-Update in Deutschland durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) genehmigt, doch eine ARD-Recherche legt nahe, dass Volkswagen auch dabei eine Abschalteinrichtung eingesetzt hat. Demnach würden die Updates nur bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad zu einem geringeren Schadstoffausstoß führen. Dies hat zur Folge, dass die Fahrzeuge bei niedrigen Temperaturen teilweise noch mehr Schadstoffe ausstoßen als vor dem Update.  

 

Thermofenster: Wenn die Außentemperatur den Schadstoffausstoß bestimmt 

Eine solche Abschalteinrichtung wird in Fachkreisen als Thermofenster bezeichnet. Neben Volkswagen kam diese Art der Abschalteinrichtung unter anderem auch bei Daimler-, BMW- und Volvo-Modellen zum Einsatz. So stellte die Deutsche Umwelthilfe beispielsweise in diesem Jahr fest, dass der Volvo XC60 der Schadstoffklasse Euro 5 bei Temperaturen zwischen null und minus vier Grad zwölfmal mehr Stickoxide ausstieß, als es eigentlich erlaubt ist. Die Autobauer selbst rechtfertigen den Einbau des Thermofensters als eine notwendige Maßnahme zum Motorenschutz. 

 

EuGH-Urteil führt zu Rechtssicherheit 

Dieser Auffassung widersprach die Generalanwaltschaft des Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Rahmen eines Dieselskandal-Verfahrens. So seien Abschalteinrichtungen nur dann zu rechtfertigen, wenn unmittelbare Beschädigungsrisiken, die die Zuverlässigkeit des Motors beeinträchtigen und eine konkrete Gefahr bei der Lenkung des Fahrzeugs darstellen, vorhanden sind. Im Normalfall schützen Thermofenster jedoch lediglich vor dem Verschleiß oder der Verschmutzung des jeweiligen Motors.  

Generell bewertete die EuGH-Generalanwältin Eleanor Sharpston jede Abschalteinrichtung als illegal, wenn diese im Straßenbetrieb zu einem höheren Abgasausstoß führt als auf dem Prüfstand. Dadurch würde der Dieselskandal komplett neue Ausmaße annehmen. Allein in Deutschland sind mehrere Millionen Fahrzeuge mit eingebauten Thermofenstern oder anderen Abschalteinrichtungen zugelassen. Der gesamten Automobilindustrie drohen nun Rückrufs- und -Klagewellen sowie Strafen in Milliardenhöhe. Betroffene Halter können sich jedoch juristisch gegen diesen Betrug wehren und Entschädigungen durchsetzen. 

 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal 

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiterzunutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten.  

So setzen sich die Entschädigung zusammen 

Die jeweilige Entschädigungssumme im Dieselskandal setzt sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer Nutzungsentschädigung zusammen. Letztere ist abhängig von der individuellen Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges. Darüber hinaus erhalten die betroffenen Kläger Verzugszinsen, die die Entschädigungssumme erhöhen. Auf www.goldenstein-partner.de können Autobesitzer ihren möglichen Anspruch kostenfrei prüfen lassen. 

 

 

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