03.
Mrz 2020

Trotz Software-Update: 7er BMW überschreitet Stickoxid-Grenzwerte massiv

Im Jahr 2018 ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den Rückruf des BMW 750d xDrive an. Der Grund: Die Limousine überschritt den zulässigen Stickoxid-Grenzwert für ein Fahrzeug der Schadstoffklasse Euro 6 um fast das Achtfache. Ein Software-Update sollte dieses Problem wieder in den Griff kriegen. Doch auch nach dem Update stößt der fast 400 PS-starke PKW siebenmal mehr aus als es die EU-Regularien zulassen.

Dennoch wurde BMW der Einsatz einer wohl illegalen Abschalteinrichtung offiziell nicht nachgewiesen. Nach einer Razzia im Frühjahr 2018 zahlte der Münchner Autobauer knapp ein Jahr später ein Bußgeld in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Das Verfahren wurde anschließend eingestellt.

Dieselskandal bei BMW: Die Hardware ist schuld

Nun scheint ein Gutachten die tatsächlichen Hintergründe der massiven Grenzwert-Überschreitung offenzulegen, wie die Süddeutsche Zeitung aktuell berichtet. Demnach ist nicht die Software, sondern die Hardware von BMW für die unerlaubte Umweltbelastung verantwortlich.

So kann der Stickoxid-Speicherkatalysator das gefährliche Gas bei einem Kaltstart und entspannter Fahrweise noch gut speichern. Auf dem Prüfstand fahren die Fahrzeuge im Schnitt mit Geschwindigkeiten von 34,7 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit kann das Auto den eigenen Stickoxid-Ausstoß noch vergleichsweise gut begrenzen. Dadurch wurden die PKW auch problemlos zugelassen.

BMW-Abgasreinigung versagt bereits bei geringer Laufleistung komplett

Bei höherer Motorleistung funktioniert der Katalysator jedoch nicht mehr wie geplant, da er dann aufgrund seiner Einbaulage mit Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius konfrontiert wird. Dadurch kommt es zu einem stark erhöhten Ausstoß von Stickoxiden. Gleichzeitig verursachen die hohen Temperaturen, denen der Katalysator ausgesetzt ist, aber auch Langzeitschäden. Demnach soll die Schadstoffreduzierung teilweise bereits bei einer Laufleistung von weniger als 60.000 Kilometern komplett versagen. Das erklärt, wieso auch ein Software-Update den erhöhten Stickoxid-Ausstoß nicht eindämmen kann.

“Dass auch BMW von einem Abgasskandal betroffen ist, lässt sich nicht abstreiten. Bislang war jedoch unklar, wieso die PKW des Münchner Autoherstellers auf dem Prüfstand sauber und auf der Straße dreckig sind. Nun steht fest: Während die meisten anderen Hersteller ihre Fahrzeuge mittels einer Software manipuliert haben, scheint die Ursache bei BWM in der Hardware zu sein”, kommentiert der Rechtsanwalt Claus Goldenstein und führt fort:

Hardware-Manipulation als Täuschung

Wenn ein Fahrzeug die geltenden Umweltrichtlinien nicht einhält, ist das illegal. Erfüllt ein PKW diese Kriterien auf dem Prüfstand, im tatsächlichen Straßengebrauch jedoch nicht, dann ist das eine Täuschungshandlung. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies an der Hard- oder der Software liegt. Die Halter der betroffenen Fahrzeuge sind davon ausgegangen, dass ihre Autos umweltfreundlich sind. Dies war nicht der Fall. Zudem haben die meisten Dieselfahrzeuge nach Bekanntwerden dieses Skandals massiv an Wert verloren und sind teilweise von Fahrverboten in deutschen Städten betroffen. 

Deshalb haben die Fahrzeughalter von manipulierten PKW die Möglichkeit, einen angemessenen Schadensersatz von dem jeweiligen Hersteller einzufordern und ihr Fahrzeug zurückzugeben. Wir von Goldenstein & Partner unterstützen bereits mehr als 17.800 Mandanten bei diesem Vorgehen. Gern beraten wir auch BMW-Fahrer bezüglich ihrer rechtlichen Möglichkeiten.”