18.
Mrz 2020

Preisfalle E-Ladesäule

In der Theorie ist der Kostenvorteil beim Kraftstoff eines der Hauptargumente für die Anschaffung eines Elektrofahrzeuges. In der Praxis greift dieses Argument leider nur bedingt, da sich Besitzer von E-Fahrzeugen vor dem Ladevorgang an öffentlichen E-Ladesäulen zunächst einen Überblick über ein unübersichtliches Tarif-Wirrwarr verschaffen müssen.

Wer günstig tanken möchte, kommt an einer heimischen Ladestation nicht vorbei

Nicht betroffen sind E-Auto-Besitzer, die über private Auflademöglichkeiten, z.B. in Form einer Garage mit Stromversorgung oder sogar einer Wallbox verfügen. Der durchschnittliche Preis pro kWh Haushaltsstrom beträgt, abhängig vom Anbieter, etwa 29 Cent. Bei einer Batteriekapazität von 35 Kilowattstunden (kWh) (VW E-Golf) wären rund 10 Euro für eine vollständige Aufladung nötig. 100 Kilometer Reichweite kosten demnach umgerechnet  rund 3,70 Euro. 

Die Installation einer solchen Wallbox, welche den Ladeprozess gegenüber der handelsüblichen Wandsteckdose deutlich verschnellert und einer Überlastung des heimischen Stromnetzwerks vorbeugt, kann aber teuer werden: Bis zu 7.000 Euro inkl. Montage kostet die heimische Ladestation. Auch Pendler, die am Arbeitsplatz laden können, müssen sich nicht zwingend mit dem Preisdschungel der E-Ladesäulen auseinandersetzen.

Erste Probleme bereits vor dem Ladevorgang an öffentlichen Säulen 

E-Fahrzeughalter, die nicht über diese Möglichkeiten verfügen, sind auf die fast 18.000 öffentlichen E-Ladesäulen in Deutschland angewiesen. Hier wird oft bereits die Registrierung eine Herausforderung: Je nach Ladepunkt müssen sich Nutzer mal per SMS, mal via App, mal per Ladekarte des jeweiligen Anbieters und manchmal mittels Online-Vorabregistrierung anmelden. 

Ein weiteres Problem ist die Parkplatzsituation vor der Ladesäule, die im Vorfeld nicht bekannt ist: Denn Parkverbote für konservativ betriebene Fahrzeuge existieren nicht vor jeder Ladesäule und so kann es zur Situation kommen, dass die Säule zwar ungenutzt, der Parkplatz jedoch besetzt ist.

E-Ladesäulen-Tarifdschungel

Beim eigentlichen Tanken herrscht Unklarheit über den Preis, denn wieviel Verbraucher für die einzelne Kilowattstunde am Ende zahlen müssen, ist je nach Anbieter unterschiedlich. Auch die Abrechnungsarten variieren stark. Ein Betreiber kassiert neben der monatlichen Grundgebühr pauschal Geld pro Ladevorgang. Ein anderer berechnet den Strompreis je angefangene Stunde oder auf fünf Minuten genau. Die verschiedenen Tarifmodelle der unterschiedlichen Anbieter können sich entweder nach Kilowattstunde, Zeit, Lademenge oder Flatrate richten. Die Folgen: Verbraucher verlieren den Überblick

Benzin und Diesel teilweise günstiger als E-Tanken

Eine Studie des Ökostromanbieters Lichtblick in Zusammenarbeit mit Statista belegt zudem, dass das Aufladen an öffentlichen E-Säulen zum Teil deutlich teurer werden kann, als das Tanken von herkömmlichen Kraftstoffen, wie Benzin oder Diesel. Bei einzelnen Anbietern beobachteten die Studien-Urheber Preise in Höhe von bis zu 16,30 Euro für eine Ladung, die für 100 Kilometer reichte. 

Der Bonner Marktforscher EuPD nahm darüber hinaus im letzten Jahr mehr als 8100 öffentlichen Ladesäulen unter die Lupe. Ergebnis: Im teuersten Tarif mit Kosten von bis zu 1,39 Euro pro Kilowattstunde sind die Stromkosten fünfmal so hoch, wie der durchschnittliche Haushaltsstrompreis von rund 29 Cent je Kilowattstunde.

Warum Ladestation-Betreiber nicht einheitlich abrechnen 

Für eine einheitliche Abrechnung nach Kilowattstunden müssen in Deutschland eichkonforme Zähler in den Säulen verbaut werden. Das verlangt die Eichrechtsverordnung, die seit 1. Januar 2018 gilt. Während an herkömmlichen Tankstellen Benzin- und Dieselzapfstellen geeicht sind, ist das bei Strom aus Ladesäulen noch im Aufbau. 

Folglich haben viele Anbieter auf Pauschaltarife umgestellt und rechnen nach Ladezeit ab. Das hat teils absurde Folgen: Wenn ein strombetriebener Kleinwagen beispielsweise nur wenig kWh lädt, der Anbieter aber pro angefangener Stunde abrechnet, kann es teuer werden.

Bundesweiter Abrechnungs-Konsens beim E-Tanken garantiert kein Preisabfall

Seit dem 1. April 2019 gehören die Pauschaltarife eigentlich der Vergangenheit an, da nach Kilowattstunde abgerechnet werden sollte. Wegen der schleppende Umrüstung haben die verschiedenen Anbieter von ihrem lokalen Eichamt allerdings individuelle Fristen gesetzt bekommen, sodass eine bundesweiter Konsens im Laufe dieses Jahres erwartet wird. Günstiger wird es damit nicht unbedingt, da viele Anbieter durch die steigende Zahl an E-Autos wohl auch ihre Preise anheben werden. 

 

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