10.
Apr 2020

Kreditwiderruf im Abgasskandal: Was bedeutet das?

Ende März hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden: Bei der Vergabe von Verbraucherkrediten wurden über Jahre hinweg Vertragsfehler begangen, die dazu führen, dass Betroffene ihre ausgestellten Kredite aufgrund von unverständlichen Formulierungen in der Widerrufsbelehrung nun widerrufen können. Für vom Abgasskandal betroffene Verbraucher, die sich ihr Fahrzeug durch einen Kredit finanziert haben, bietet sich somit eine neue Option, um indirekt gegen VW in der Sache habhaft zu werden und ihr Geld zurückzuerhalten. Die Kanzlei Goldenstein & Partner erklärt dazu die Hintergründe:  

Kreditwiderruf im VW Dieselskandal

Wann kann ein Kredit widerrufen werden? 

Wer einen Kredit zur Finanzierung einer Anschaffung wie bspw. ein neues Auto aufnimmt, hat grundsätzlich die Möglichkeit, diesen  gemäß deutscher Rechtsprechung innerhalb von 14 Tagen – ohne, dass er der Bank dafür einen Grund nennen muss – zu widerrufen. Innerhalb dieser Zeit kann ein finanziertes Auto an die Bank bzw. das Autohaus zurückgegeben werden. Hat das Institut innerhalb des Vertrages jedoch einen Fehler begangen, kann diese Frist verlängert werden. 

Im Fall des EuGH betrifft dies all jene Verträge, in denen die Widerrufsinformationen eine sog. Kaskadenverweisung beinhalten. Diese ist für Verbraucher ohne das nötige Fachwissen nicht verständlich. Tatsächlich wird Kaskadenverweisung jedoch in so gut wie jedem Kreditvertrag mit eingebaut. Für Verbraucher ist die nötige Aufklärung über die vertraglichen Rahmenbedingungen so nicht gegeben. Die Übereinkunft kann daher nun auch außerhalb der 14-tägigen Frist widerrufen werden. Davon sind nicht nur die sogenannten Autobanken wie die BMW oder Volkswagen Bank betroffen, sondern auch vom Autohaus vermittelte Kredite. 

Gute Möglichkeit für Dieselbesitzer

Für vom Dieselskandal betroffene Verbraucher, die ihr Fahrzeug über einen solchen Vertrag finanziert haben, ist dies eine großartige Möglichkeit, um sich indirekt in der Sache gegen VW zu wehren. Ist die vom EuGH monierte Kaskadenverweisung im Vertrag implementiert, können sie den Vertrag voraussichtlich widerrufen und eine Fahrzeugrückgabe im Austausch gegen den kompletten Verkaufspreis erwirken. Grundsätzlich muss jeder Kredit jedoch von einem Experten individuell geprüft werden. 

“Das Urteil des EuGH zum Kreditwiderruf erweist sich für Opfer des Dieselskandals als ein zusätzliches Ass im Ärmel. Nachdem die meisten Gerichte im Zuge einer Individualklage in dieser Sache generell verbraucherfreundlich entscheiden, haben sie jetzt noch bessere Chancen, den gesamten Kaufpreis erstattet zu bekommen. Zumindest dann, wenn sie ein manipuliertes Dieselfahrzeug mit einem Kredit finanziert haben, dessen Widerrufsbelehrung die besagten Fehler aufweist.

Die Banken werden dies jedoch nicht ohne weiteres akzeptieren und versuchen, die betroffenen Verbraucher davon abzubringen. Als Experte auf diesem Gebiet, unterstützen wir bei Goldenstein & Partner betroffene Verbraucher jedoch gerne hinsichtlich jeglicher Rechtsfragen in dieser Sache”, kommentiert Claus Goldenstein, Inhaber der Kanzlei Goldenstein & Partner. Seine Kanzlei vertritt über 20.800 Mandanten im Dieselskandal und ist für den ersten Fall vor dem Bundesgerichtshof in dieser Sache am 05. Mai 2020 zuständig. 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiterzunutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. Auf www.goldenstein-partner.de können Autobesitzer ihren möglichen Anspruch kostenfrei prüfen lassen.