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27.Nov 2019

“Freiwillige Kundendienstmaßnahme” bei Mercedes-Benz: Achtung – Falle!

Seit 2017 kontaktierte Daimler mehr als drei Millionen Fahrzeughalter, um an ihren Autos sogenannte freiwillige Kundendienstmaßnahmen durchzuführen. Zuletzt lockte der Mutterkonzern von Mercedes-Benz seine Kunden sogar mit einer Prämie im Wert von 100 Euro, wenn diese auf das kostenlose Angebot eingehen. Wer ein solches Schreiben erhalten hat, sollte jedoch vorsichtig sein und keinesfalls darauf reagieren.

Konkret handelt es sich bei der “freiwilligen Kundendienstmaßnahme” um ein Software-Update, das den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge reduzieren soll. Daimler soll das Schreiben an alle Fahrzeughalter eines Mercedes-Benz-Dieselfahrzeugs der Schadstoffklassen Euro 5 und 6b gerichtet haben. Sämtliche Mercedes Benz-Fahrzeuge dieser Schadstoffklassen stehen im Verdacht, mehr Stickoxide auszustoßen, als es erlaubt ist.

Software-Update: Das sind mögliche Folgen für die Fahrzeuge

Ein Software-Update ist jedoch kein harmloser Eingriff: Im Rahmen des Dieselskandals wurden weltweit bei mehreren Millionen Fahrzeugen diverse freiwillige und verpflichtende Software-Updates installiert. Nicht wenige Fahrzeughalter klagten im Anschluss über Motorstörungen sowie einen erhöhten Kraftstoffverbrauch. Oft treten Folgeschäden am Fahrzeug zudem erst nach mehreren Monaten oder Jahren auf. 

Daher sollten Autobesitzer einem Software-Update nur zustimmen, wenn sie dazu aufgrund eines Rückrufs durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verpflichtet wurden. Ansonsten muss die 100 Euro Werkstattprämie von Daimler unter Umständen schnell in eine deutlich teurere Reparatur investiert werden. Der Konzern selbst führt Reparaturen nach einem Software-Update nämlich nur dann kostenfrei durch, wenn der Besitzer den Zusammenhang zwischen Schaden und Update direkt beweisen kann. Das ist in der Praxis jedoch kaum machbar.

Warum führt Daimler freiwillige Updates durch?

Daimler will mit den freiwilligen Updates den Einbau von illegalen Abschalteinrichtungen vertuschen. Bislang musste der Konzern bereits mehr als eine Million Fahrzeuge zurückrufen, da diese im Testbetrieb weniger Schadstoffe ausgestoßen haben, als es im tatsächlichen Gebrauch auf der Straße der Fall war. Indem Daimler nun Autos updated, die noch nicht zurückgerufen wurden, versucht der Konzern den eigenen Imageschaden in Grenzen zu halten und offiziellen Rückrufen durch das KBA zuvorzukommen.

Selbst der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer kritisierte im Zusammenhang mit dem Abgasskandal bereits die mangelnde Kooperationsbereitschaft sowie die Verschleierungstaktik von Daimler. So bezeichnete Scheuer das Verhalten von Daimler wortwörtlich als “Salami-Taktik”.

Freiwillige Kundendienstmaßnahme”: So sollten Fahrzeughalter reagieren

Wer von Daimler über die Durchführung einer “freiwilligen Kundendienstmaßnahme” informiert wurde, sollte das Schreiben daher ignorieren. Erst wenn das Kraftfahrt-Bundesamt einen offiziellen Rückruf des eigenen Fahrzeugs veranlasst hat, sind Autobesitzer dazu verpflichtet, ihr Fahrzeug einem Software-Update unterziehen zu lassen. Aufgrund der amtlichen Feststellung einer eingebauten Abschalteinrichtung haben Autobesitzer dann jedoch die Möglichkeit, Schadensersatz für ihren Fahrzeugkauf durchzusetzen.

Abgasskandal: Betroffene Halter haben Anspruch auf Entschädigung

“Sobald ein offizieller Rückruf durch das Kraftfahrt-Bundesamt erfolgt, haben die betroffenen Fahrzeughalter die Möglichkeit, juristisch gegen Daimler vorzugehen. Sie können von Daimler eine Entschädigungszahlung verlangen, die über dem aktuellen Marktwert des Fahrzeuges liegt. Dafür dürfen die Halter ihr Fahrzeug dann zurückgeben”, erklärt der Rechtsanwalt Claus Goldenstein, Inhaber der Kanzlei Goldenstein & Partner und führt fort:

“Wir von Goldenstein & Partner vertreten mehr als 11.000 Mandanten im Abgasskandal. Auch für Mercedes-Benz-Modelle haben wir bereits vielfach Entschädigungen durchgesetzt. Für unsere Mandanten ist die Durchsetzung ihrer Rechte stets risikofrei, denn wer keine Rechtsschutzversicherung hat, kann die Leistungen unseres Prozesskostenfinanzierers in Anspruch nehmen. Dadurch fallen für unsere Mandanten keinerlei Kosten an.”

Zuletzt machte Daimler unter anderem Schlagzeilen, weil die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Konzern ein Bußgeld in Höhe von 870 Millionen Euro aufgrund des Abgasskandals verhängt hatte.

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