09.
Jun 2020

Dieselskandal: Prozessauftakt gegen Ex-Audi-Chef Stadler im September

Der ehemalige Audi-Vorstandsvorsitzende, Rupert Stadler, muss sich ab dem 30. September 2020 vor dem Landgericht München II wegen des Dieselskandals verantworten. Das Verfahren ist für insgesamt 176 Verhandlungstermine angesetzt und soll sich bis ins Jahr 2022 ziehen. Es ist der deutschlandweit erste Dieselskandal-Prozess gegen Manager aus dem VW-Konzern. Neben Stadler sind drei weitere Ex-Führungskräfte der Volkswagen-Tochter Audi angeklagt. Zwei von ihnen sind ehemalige Techniker, die Stadler im Vorfeld bereits belastet haben sollen. Dem ehemaligen Audi-Chef droht eine langjährige Haftstrafe.

Stadler soll Ermittlungen behindert haben: Audi-Mitarbeiter vernichteten wichtige Daten

Rupert Stadler selbst saß bereits im Jahr 2018 vier Monate in Untersuchungshaft, weil er versucht haben soll, die Ermittlungen zu behindern. Bereits kurz nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 soll es bei Audi zu einer massenhaften Vernichtung von wichtigen Daten gekommen sein. 

Zeugen berichteten, dass Diesel-Ingenieure unter anderem wichtige Daten auf externe Speichergeräte übertragen haben, um diese anschließend zu löschen. Dabei setzten die Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers auf Spezial-Software-Lösungen, um die Wiederherstellung der Daten unmöglich zu machen.  Auch zahlreiche physische Dokumente wurden im Zuge der insgesamt knapp zweiwöchigen Vernichtungsaktion geschreddert und vernichtet. Die Audi-Entwickler gelten in Fachkreisen als Miterfinder der Abschalteinrichtungen. Sie sollen manipulierte Motoren für den gesamten Volkswagen-Konzern konzipiert haben. 

Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden durch Stadler auf 27,5 Millionen Euro

Die Staatsanwaltschaft München beziffert den von Rupert Stadler verursachten Schaden auf insgesamt 27,5 Millionen Euro. Zwar soll der ehemalige Audi-Chef nichts von den Manipulationen in den USA gewusst haben, nach dem Bekanntwerden der Sachlage aber auch nichts getan haben, um dagegen vorzugehen. So sollen nach September 2015 rund 120.000 manipulierte Audi-Fahrzeuge in ganz Europa verkauft worden sein.

In der Folge wurde Audi im Oktober 2018 von der Staatsanwaltschaft München wegen der Manipulation von Dieselfahrzeugen mit einer Geldstrafe in Höhe von 800 Millionen Euro bestraft. Zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland bereits Rückrufe für mehr als 150.000 Audi-Fahrzeuge veranlasst.

Martin Winterkorn: Kommt es zur Anklage?

Ob sich auch der ehemalige VW-Vorstandschef, Martin Winterkorn, vor Gericht verantworten muss, ist bislang unklar. Zwar erhob die Staatsanwaltschaft Braunschweig bereits vor einiger Zeit Anklage gegen den früheren Top-Manager, doch das dortige Landgericht hält die Beweislast bislang für nicht ausreichend. Zuletzt wurden die Strafverfahren wegen möglicher Marktmanipulationen gegen den aktuellen VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch gegen die Zahlung von insgesamt 9 Millionen Euro eingestellt. 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiterzunutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. Auf www.goldenstein-partner.de können Autobesitzer ihren möglichen Anspruch kostenfrei prüfen lassen.