27.
Apr 2020

Audis Rolle im Abgasskandal

Viele Menschen denken im Zusammenhang mit dem Dieselskandal in erster Linie an Volkswagen. Doch die Konzerntochter Audi gilt in Fachkreisen sogar als Mutter aller Abschalteinrichtungen. Im Zusammenhang mit dem Skandal musste Audi insgesamt mehrere hunderttausende Dieselfahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 4, 5 und 6 zurückrufen und in Deutschland ein Bußgeld in Höhe von 800 Millionen Euro zahlen.

Chroniken des Abgasskandals: Der Betrug begann schon 2007

Im Jahr 2007 stellte Audi in den USA erstmals seine neue, mutmaßlich saubere Dieseltechnologie für PKW vor. Damit sollte der amerikanische Markt erobert werden, denn Dieselfahrzeuge hatten dort zu diesem Zeitpunkt einen schlechten Ruf und galten als besonders umweltschädlich. 

2009 veröffentlichte Audi dann das erste Fahrzeug mit dieser neuartigen Technologie: Den Audi Q7. Zudem lieferte der Konzern auch für den damaligen VW Touareg den Motor und und die Abgastechnik. Mittlerweile ist klar: Die guten Abgaswerte konnten nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im tatsächlichen Straßenbetrieb überschritt der Abgasausstoß der PKW die vorgeschriebenen Grenzwerte massiv.

Manipulierte Motoren und Datenvernichtungen

Dies wurde durch eine Abschalteinrichtung in der Software des Motors ermöglicht, die daraufhin auch millionenfach bei dem VW-Dieselmotor EA 189 zum Einsatz kam. Diese Einrichtung erkannte, wenn sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befand und fuhr die Emissionswerte dementsprechend runter. Im Normalbetrieb stießen die PKW dann jedoch deutlich mehr Abgase aus. Getarnt wurde diese manipulative Software-Einrichtung unter dem Stichwort “Akustikfunktion”. Diese diente eigentlich dazu, ein für Dieselmotoren typisches Störgeräusch zu unterdrücken.

Mittlerweile scheint klar: Die Entwickler von Audi konzipierten für den gesamten Volkswagen-Konzern manipulierte Motoren. Zahlreiche Mitarbeiter des Ingolstädter Unternehmens gaben bereits zu, nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 massenhaft interne Dokumente vernichtet zu haben.  

Dabei sollen die Audi-Mitarbeiter konkret nach Daten zu den Stichworten “Zykluserkennung” und “Akustikfunktion” gesucht haben. Auch zahlreiche physische Dokumente wurden im Zuge der insgesamt knapp zweiwöchigen Vernichtungsaktion geschreddert und vernichtet. Zeugen berichteten, dass einzelne Räume in der Firmenzentrale dadurch mit Papier bedeckt gewesen seien. Außerdem wurden die  Papiertonnen von Audi demnach fast fünfzehn Mal häufiger geleert als sonst.

Audi kam mit Bußgeld davon, Rupert Stadler wird der Prozess noch gemacht

Vor diesem Hintergrund saß der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Audi, Rupert Stadler, im Jahr 2018 mehrere Monate in Untersuchungshaft und kam nur unter Auflagen vorerst wieder aus dem Gefängnis. Noch in diesem Jahr soll dem ehemaligen Top-Manager der Prozess gemacht werden. Audi selbst wurde für die Manipulation bereits bestraft: Das Unternehmen akzeptierte in Deutschland die Zahlung eines Bußgelds in Höhe von 800 Millionen Euro.