15.
Okt 2020

Abgasskandal betrifft auch Wohnmobile

Wohnmobile sind in Deutschland nicht erst seit der Corona-Reisebeschränkungen extrem beliebt. Doch zahlreiche dieser Fahrzeuge hätten eigentlich gar nicht zugelassen werden dürfen, da sie illegal manipuliert wurden. Betroffenen Haltern droht nun ein massiver Wertverlust. Verbraucher können jedoch hohe Schadensersatzansprüche durchsetzen. 

Iveco-Wohnmobile überschreiten Schadstoff-Grenzwerte 

Konkret wurden Wohnmobile des Herstellers Iveco so manipuliert, dass diese nur für eine bestimmte Zeit die vorgeschriebenen Umweltrichtlinien einhalten. Dadurch wirken die Fahrzeuge im Testbetrieb sauber, obwohl sie auf der Straße unerlaubt viele Schadstoffe ausstoßen. Iveco – ein Unternehmen aus dem Fiat Chrysler-Konzern – verbaut seine Motoren auch in Fahrzeugen anderer Hersteller. Dazu zählen unter anderem Concorde, Dethleffs, Carthago und Biomobil. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass auch diese Fahrzeuge illegal manipuliert wurden. 

 

Razzien bei Fiat und Iveco in drei Ländern 

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat in diesem Jahr in Deutschland, Italien und der Schweiz Standorte von Fiat Chrysler und Iveco durchsuchen lassen. Zuvor hielten sich bereits seit Jahren Vermutungen, dass die Fahrzeughersteller illegale Abschalteinrichtungen verbaut haben. So ermitteln die US-Umweltbehörde EPA sowie die EU-Kommission bereits einiger Zeit in der Sache. Auch bei Schadstoff-Tests des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sollen Fiat-Fahrzeuge negativ aufgefallen sein. Das legt ein RBB-Bericht aus dem Oktober 2019 nahe. Es könnte also schon bald zu Anklagen in der Sache kommen. 

 

Betroffene Wohnmobil-Haltern haben Anspruch auf Schadensersatz 

“Wer ein Wohnmobil mit Diesel-Motor besitzt, sollte die Lage ganz genau beobachten und sich umgehend bezüglich rechtlicher Schritte beraten lassen”, erklärt der Rechtsanwalt Claus Goldenstein, der mit seiner Kanzlei Goldenstein & Partner bereits mehr als 22.000 Mandanten in der Sache vertritt.  

“Ähnlich wie im VW-Dieselskandal werden auch die betroffenen Wohnmobile durch den Skandal enorm an Wert verlieren. Es drohen Rückrufe und im schlimmsten Fall sogar der Ausschluss vom Straßenverkehr. Betroffene Halter haben jedoch die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren und Schadensersatz durchzusetzen. Ihre Rechte können deutsche Halter der italienischen Fahrzeuge problemlos hierzulande durchsetzen. Sie müssen also nicht in Italien klagen. Das hat der Europäische Gerichtshof kürzlich in einem Grundsatzurteil entschieden.” 

 

Rechtssicherheit durch BGH-Urteil   

Im Mai 2020 sorgte die Rechtsanwaltskanzlei Goldenstein & Partner für das deutschlandweit erste Dieselskandal-Urteil des Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Betroffene Halter haben nun die Gewissheit, dass sie ihre manipulierten PKW an den jeweiligen Hersteller zurückgeben können und dafür eine Entschädigung in Höhe des ursprünglichen Kaufpreises sowie Verzugszinsen erhalten. Lediglich die bisherige Laufleistung müssen sich die Kläger in Form einer sogenannten Nutzungsentschädigung von dem Schadensersatz abziehen lassen.  

Auf das verbraucherfreundliche Urteil werden sich in Zukunft sämtliche deutschen Amt-, Landes- und Oberlandesgerichte beziehen. Zwar gilt es bislang nur für Volkswagen-Modelle mit dem EA189-Motor, doch es lässt sich grundsätzlich auf sämtliche Hersteller von manipulierten Dieselfahrzeugen übertragen. 

   

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal   

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten.    

 

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